Warum genau dieses Boot
Also ging es auf die Suche. Ich habe so ziemlich jedes einschlägige Internetportal durchforstet. Die Entscheidung „Jetzt ein Boot!“ kam ja auch erst ziemlich spät, die Hoffnung stirbt eben zuletzt. Aber ein Campingplatz war einfach nicht zu ergattern.
Noch vier Wochen bis zum Urlaubsbeginn.
Viele Boote. Viele verlotterte Boote. Viele verfaulte Boote. Boote, die in der verbleibenden Zeit nicht mehr fit zu machen waren, und Boote, die den finanziellen Rahmen sprengten.
Eines war mir klar: Es sollte ein Kajütboot sein. Wir wollten darauf leben wie im Wohnwagen, nur ohne Stellplatz. Rausfahren, Anker werfen, zu Hause. Mal ein paar Tage an einem Ort, mal jeden Tag woanders.
Gesucht haben wir ein Motorboot, denn segeln können und wollen wir nicht. Einen Segler hätten wir aber trotzdem genommen: Segel und Takelage runter, einen Motor ans Heck, und schon hat man ein Motorboot. Hauptsache Kajüte, Hauptsache bis zum Urlaub einsatzbereit.
Dann fand ich „den“ Kandidaten. 220 Kilometer entfernt, also nicht mal eben um die Ecke. Ich schrieb den Verkäufer kurz an und rief dann an, um ein paar Dinge zu klären: ein Loch im Bug nach einem Unwetter, den Allgemeinzustand, die Ausstattung. Ich musste ja einschätzen, ob ich das Boot rechtzeitig fit bekomme.
Drei Wochen vor dem Urlaub, an einem Samstag: ab nach Mannheim, Boot angucken. Pike war natürlich auch dabei. Das Boot stand auf einem Trailer, auf dem Hof des Verkäufers, unter einem Carport.
Dann die Ankunft beim Verkäufer, und der erste Eindruck: gelb. 😳 Der Anstrich war eher laienhaft. Aber es war eine Varianta 65, Baujahr 1975, also auch nicht mehr taufrisch, passt perfekt zu uns. Die Größe stimmte, und gepflegt war sie auch. Ich sah in jede Ecke und öffnete alle Abdeckungen und Luken, und alles sah gut aus. Das Boot hatte schon einige Jahre nicht mehr im Wasser gelegen.
Heike war dagegen sehr skeptisch: „Wie willst du das denn machen?“ Meine einzige Erklärung: „Du wirst schon sehen. Ich kriege das hin.“

Dann das Loch im Bug. Der Verkäufer erzählte, das Boot sei am Steg vertäut gewesen, während eines Unwetters habe sich eine Bugleine gelöst, und es sei unkontrolliert immer wieder mit dem Bug gegen den Steg geschlagen. Ich dachte: Das lässt sich reparieren, das passt in den Zeitplan.
An Elektrik war kaum etwas an Bord: ein Licht in der Kajüte, Toplicht und Positionslichter am Mast, mehr nicht. Betrieben wurde alles von einer Mopedbatterie. Dazu gab es einen kleinen Elektromotor, allerdings ohne Batterie.
Wir kamen zur Preisverhandlung, und am Ende kostete „Sonja“ 2.300 €. Eine vergleichbare Varianta 65 kostete damals um die 6.000 €, allerdings ohne Bugschaden.
Anhängerkupplung ausklappen, Boot anhängen, ab nach Hause.
Wir hatten eine kleine Segelyacht gekauft. Und viel Arbeit.